Genthin – alte Stadt am Elbe-Havel-Kanal
Die Stadt Genthin liegt 26 km westlich von Brandenburg auf einer Höhe von 49 m üNN am Elbe-Havel-Kanal im Norden der Moorlandschaft „Fiener Bruch“, politisch gehört der Ort zu der gleichnamigen Verwaltungsgemeinschaft im Landkreis Jerichower Land (Sachsen-Anhalt). Auf einer Fläche von ca. 104 km² leben rund 14.000 Einwohner, die sich auf 8 Ortsteile (Altenplathow, Genthin Wald, Fienerode, Hüttermühle, Mollenberg, Mützel, Parchen, Wiechenberg) und einen Wohnplatz (Hagen) verteilen.
Im Jahr 1171 wurde Genthin erstmals urkundlich erwähnt und war zunächst ein unbedeutender Ort; erst aus dem Jahr 1459 ist eine Bezeichnung als „Oppidum“ (stadtartige Siedlung) überliefert. 1539 erhielt Genthin die Marktrechte und konnte an den 4 Stadttoren (Brandenburger-, Mühlen-, Parchen- und Bergtor) Zoll erheben. An der Wende 17./18. Jahrhundert wurde die Entwicklung der Stadt durch Pestepidemien und einen Großbrand stark beeinträchtigt; bei dem folgenden Wiederaufbau entstand u.a. die Stadtpfarrkirche Trinitatis. Wichtige Ereignisse waren später die Eröffnung des Postamtes (1720), der Einzug einer Kompanie „Gelber Reiter“ (1727) und der Bau des Plauer Kanals (1743-45), der dann weiter zum Elbe-Havel-Kanal ausgebaut wurde; 1808 wurde Genthin als Stadt eigenständig und wählte erstmals im Jahr 1809 einen Stadtrat. Zur gleichen Zeit begann die Industrialisierung mit der Gründung einer Fabrik zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte; nach dem Bau der Eisenbahnstrecke Berlin-Magdeburg (1837-46) folgten weitere Betriebe (Ziegeleien, Werften, Holzverarbeitung). Im 20. Jahrhundert bestimmten zwei Großbetriebe (Zuckerraffinerie, Waschmittelwerk) die wirtschaftliche Situation der Stadt; in beiden Werken wurde die Produktion jedoch eingestellt.
Das „herausragendste“ Baudenkmal in Genthin ist der 48 m hohe, achteckige Wasserturm, der 1934/35 erbaut wurde und eines der Wahrzeichen der Stadt ist; heute wird er für Ausstellungen und Veranstaltungen genutzt. Ein anderes Industriedenkmal ist die historische „Persiluhr“, sie steht vor dem 1898/99 errichteten Rathaus auf dem Marktplatz; eine weitere Uhr – die Kugelsonnenuhr – befindet sich im Volkspark neben Schwanenteich und Mausoleum, hier findet alljährlich im September das Kartoffelfest statt. Die älteste Kirche in Genthin ist die 1707-22 erbaute Stadtpfarrkirche, die auf dem Standort einer ehemaligen romanischen Feldsteinkirche steht; die dreischiffige Hallenkirche enthält eine sehenswerte Inneneinrichtung. Einen Besuch wert ist auch das Kreismuseum (Geschichte und Traditionen), das Henkel-Museum (Betriebsmuseum des Henkel-Werkes) und natürlich die Anlagen am Elbe-Havel-Kanal, der die gesamte Stadt durchzieht.
Die alten Treidelwege am Kanal und die Landschaft mit sanften Hügeln und weiten Wäldern sind ideal zum Wandern und Radfahren, rund um Genthin gibt es ein 184 km langes Radwegenetz mit verschiedenen Touren (z.B. Altmark-Rundkurs, Mühlen- und Kirchen-Tour); der Bahnhof ist Ausgangspunkt von 6 markierten Rundwanderwegen zwischen 6 und 18 km Länge. Die Hotels und Pensionen sind auf Wanderer und Radfahrer eingerichtet, sehr zu empfehlen ist am Abend eine Stärkung mit der „Genthiner Kartoffelpfanne“.